CSR-Berichtspflicht

Die Nichtfinanzielle Erklärung – inhaltliche Vorgaben

Die Corporate Social Responsibility (CSR) eines Unternehmens wird zum Wettbewerbsfaktor − eine Vernachlässigung birgt erhebliche Reputations- und Finanzrisiken. Konsequenz einer Nichtbeachtung von CSR-Aspekten können Reputationsverluste oder Sanktionen der Kunden und Verbraucher sein. Dies gewinnt mittlerweile auch Bedeutung für den Kapitalmarkt. Als „Social Responsibility Investment“ wird die Nachhaltigkeitsleistung von Unternehmen in Anlageentscheidungen von privaten/institutionellen Investoren, Fonds, Indizes einbezogen.

Vor diesem Hintergrund hat die Europäische Union die sogenannte CSR-Richtlinie zur Offenlegung von nichtfinanziellen Informationen als Pflichtbestandteil der Unternehmensberichterstattung verabschiedet. Die neue Berichtspflicht bezweckt, ein höheres Verantwortungsbewusstsein und nachhaltigeres Handeln von börsennotierten Unternehmen zu fördern.

Die nichtfinanzielle Erklärung soll sich mindestens auf Umwelt-, Sozial- und Arbeitnehmerbelange, die Achtung der Menschenrechte und auf die Bekämpfung von Korruption und Bestechung beziehen – soweit diese Informationen für das Verständnis des Geschäftsverlaufs, des Geschäftsergebnisses, der Lage des Unternehmens und der Auswirkungen seiner Tätigkeit erforderlich sind. Dabei können sich die Unternehmen auf bestehende nationale, unionsbasierte oder internationale Rahmenwerke stützen.

Insbesondere muss die Erklärung folgendes enthalten:

eine kurze Beschreibung des Geschäftsmodells des Unternehmens,

• eine Beschreibung der von dem Unternehmen in Bezug auf diese Belange verfolgten Strategie, einschließlich der zur Wahrung der Sorgfaltspflicht durchgeführten Verfahren, Konzepte inkl. der angewandten Due-Diligence-Prozesse,• die Ergebnisse dieser Strategien,

• die wesentlichen Risiken im Zusammenhang mit diesen Belangen, die mit der Geschäftstätigkeit des Unternehmens verknüpft sind und negative Auswirkungen auf diese Bereiche haben können, sowie des Managements dieser Risiken und

• die wichtigsten nichtfinanziellen Leistungsindikatoren, die für die betreffende Geschäftstätigkeit von Bedeutung sind.

Zu den nichtfinanziellen Leistungsindikatoren wird die EU noch Leitlinien entwickeln. Soweit angebracht, soll auch auf einzelne Posten im Jahresabschluss verwiesen oder zusätzliche Erläuterungen gegeben werden.

Inhaltliche Vorgaben sind in der EU-Richtlinie nicht konkretisiert. Diese gibt lediglich fünf Aspekte vor, zu denen berichtet werden muss. Innerhalb der Aspekte werden nur Beispiele vorgeschlagen. Es sind die folgenden:

Umweltbelange: Treibhausgasemissionen, Wasserverbrauch, Luftverschmutzung, Nutzung von erneuerbaren und nicht erneuerbaren Energien, Schutz der biologischen Vielfalt

Arbeitnehmerbelange: Maßnahmen zur Gewährleistung der Geschlechtergleichstellung, Arbeitsbedingungen, Umsetzung der grundlegenden Übereinkommen der ILO, Achtung der Rechte der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie der Gewerkschaften, Gesundheitsschutz, Sicherheit am Arbeitsplatz

Sozialbelange: Angaben zum Dialog auf kommunaler oder regionaler Ebene oder zu den zur Sicherstellung des Schutzes und der Entwicklung lokaler Gemeinschaften ergriffenen Maßnahmen

Menschenrechte: Angaben zur Vermeidung von Menschenrechtsverletzungen

Bekämpfung von Korruption und Bestechung: bestehende Instrumente zur Bekämpfung

Der Weg zur nichtfinanziellen Erklärung

Am Anfang steht die Analyse und Bestimmung der Ausgangssituation bei Nachhaltigkeitsperformance und –berichterstattung. Dazu erfolgen interne und externe Analysen, mittels derer bereits vorhandene Maßnahmen und Kennzahlen bestimmt werden, akute oder erwartete Herausforderungen, aber auch Chancen aufgezeigt werden. Außerdem geht es um die Analyse der relevanten regulatorischen Bestimmungen, vorgegebener Standards und wichtiger Ratings. Der Bezug und die Bedeutung von Nachhaltigkeit im Rahmen der eigenen Wertschöpfungskette sowie der Vergleich mit der Nachhaltigkeitsperformance von anderen Unternehmen sind weitere wichtige Analyse Punkte.

Die Materiality-Analyse führt abschließend zur Wesentlichkeitsbewertung. Die Wesentlichkeit gibt vor, mit welchen CSR Themen sich das Unternehmen prioritär beschäftigen wird. Zentrale Aspekte, die innerhalb der Wesentlichkeitsbewertung zu klären sind nachfolgend aufgelistet:

Wesentlichkeit und Strategische Zielsetzung

Ausgehend von der Analyse von CSR-Leitbild und CSR-Zielen des Unternehmens sind die nicht-finanziellen Themen und Leistungen, die von strategischer Bedeutung festzulegen. Damit einher geht auch deren Integration in die Unternehmenssteuerung und –berichterstattung.

Wesentlichkeit und Stakeholderdialog

Hier geht es um die Bestimmung, welche Nachhaltigkeitsthemen für die unterschiedlichen Stakeholder des Unternehmens von wesentlicher Bedeutung sind.

Wesentlichkeit und Risikoanalyse

Die Kenntnis über die Zusammenhänge der Möglichkeiten einer nachhaltigen Tragfähigkeit des verfolgten Geschäftsmodells ist von zentraler Bedeutung für die Risikoanalyse und das Risikomanagement. Dabei wird auch die Voraussetzung geschaffen, Wettbewerbsvorteile durch eine Integration von ökologischen, sozialen und Governance-Faktoren in den gesamten Risikomanagementprozess zu schaffen.

Wesentlichkeit und relevante Aspekte in der externen Berichterstattung

Es ist festzulegen, welche Themen und nichtfinanziellen Leistungsindikatoren bzw. Informationen innerhalb der externen Berichterstattung veröffentlicht werden.

Steuerung von Berichtsprozessen und Datenmanagement

Auf der Basis der Wesentlichkeitsbewertung erfolgt die Steuerung von Datenerhebung und Datenverarbeitung sowie der zugehörigen Prozesse für eine fristengerechte Erstellung der nichtfinanziellen Erklärung.

Mit der Einführung von effizienten Prozessen beim Erheben der relevanten Nachhaltigkeitsdaten wird eine hohe Datenqualität sichergestellt und gleichzeitig Prüfungs- und Korrekturkosten verringert. Die Steuerung (unternehmensübergreifend) und Koordination (Einbindung der operativen Bereiche) der Nachhaltigkeitsperformance des Unternehmens – ggfs. mit der Einrichtung von Strukturen und Prozessen, geht dabei Hand in Hand mit der regelmäßigen Erhebung der nichtfinanziellen Informationen. Besondere Herausforderungen an die Berichtsprozesse und Datenqualität ergeben sich bei Unternehmen mit (internationalen) Konzernstrukturen sowie bei der Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsthemen von externem Unternehmen aus der Wertschöpfungskette.

Datenstruktur und Indikatoren für die nichtfinanzielle Berichterstattung

Auf Basis der Wesentlichkeitsbetrachtung werden die relevanten Kennzahlen und Indikatoren bestimmt. Die Kennzahlen werden je nach Zielsetzung anhand der Standards wie z.B. GRI, DJSI oder IIRC entwickelt.

Anpassung und Weiterentwicklung der IT

In enger Abstimmung zwischen IT-Steuerung, Berichtswesen, Controlling und weiterer betroffener Fachbereiche werden die IT-informationssysteme im Unternehmen für die neuen Aufgabestellungen erweitert bzw. optimiert.

Steuerung der Nachhaltigkeitsperformance über KPI

Die Ziele für Nachhaltigkeitsperformance müssen operativ messbar gemacht werden. Zur Steuerung der Aktivitäten werden geeignete Key Performance Indikatoren (KPIs) für die einzelnen Handlungsfelder erarbeitet. Die Berichterstattung über die Nachhaltigkeitsperformance ist umso glaubwürdiger, je besser die KPIs das Nachhaltigkeitsengagement wirksam unterstützen können.

Festlegung des Berichtsformats der nichtfinanziellen Erklärung

Grundsätzlich kann die nichtfinanzielle Erklärung in einem gesonderten Nachhaltigkeitsbericht oder innerhalb des Lageberichts veröffentlicht werden.

Darstellung der nichtfinanziellen Erklärung über einen Nachhaltigkeitsbericht

Eine separate Veröffentlichung in gedruckter oder digitaler Form ermöglicht ein großes Handlungsfeld für eine zielorientierte Positionierung des eigenen Nachhaltigkeitsengagements. In der Regel empfiehlt sich dabei die Orientierung am GRI Standard.

Einbeziehung der nichtfinanziellen Erklärung in den Lagebericht

Die nichtfinanziellen Leistungen können gemäß den vorgegebenen Richtlinien auch in den Lagebericht integriert werden. Dies bedingt eine hohe Datenqualität und zuverlässige Prozesse. Unternehmen, die das sicherstellen, dokumentieren auf diesem Wege den besonderen Stellenwert des Nachhaltigkeitsengagements.